Neulich stand ich im Supermarkt meines Vertrauens.
Ich hatte keine Einkaufsliste, war hungrig und leicht gestresst – kein idealer Moment, um einkaufen zu gehen. Also: Impulskauf. Und was habe ich unter anderem gekauft? Die Packung einer Hafermilch, die mir bekannt vorkam. Nicht, weil sie besser schmeckte als die anderen (ehrlich gesagt, weiß ich das gar nicht mehr), sondern weil ich sie aus irgendeiner Anzeige wiedererkannt habe.

In dem Moment fiel mir Byron Sharp ein. Ein Name, den man nicht unbedingt mit Hafermilch verbindet, aber sehr wohl mit dem, was da gerade in meinem Kopf passierte.

Der Professor, der unsere Komfortzone und unser gelerntes Marketingwissen in Frage stellt

Byron Sharp ist sowas wie der unbequeme Freund, der dich ständig hinterfragt.
Der, der dir freundlich, aber bestimmt erklärt, dass vieles, woran du glaubst – Markenbindung (Love Brands), Zielgruppengenauigkeit, fancy Personas – eigentlich überbewertet ist.

Seine These: Marken wachsen, wenn sie mehr Menschen erreichen und in mehr Situationen verfügbar sind – mental wie physisch.

Und das funktioniert nicht mit einmaliger, genialer Kreation oder einer besonderen neuen Werbemaßnahme.
Sondern durch konsequente Wiederholung, klare Wiedererkennbarkeit und stetige Präsenz.

Kurz gesagt: Marken müssen sich klar unterscheiden und für die Konsument:innen genau dann verfügbar sein, wenn diese eine Entscheidung treffen.

Markenbotschaften sind wie Ohrwürmer – erst nervig, dann wirksam!

Im Marketing habe ich oft den Eindruck, dass wir uns viel zu schnell an unseren eigenen Kampagnen sattsehen – nur um dann dem nächsten Trend hinterherzulaufen, den plötzlich alle umsetzen müssen, weil er gerade als „trendy“ gilt.

Beim nächsten Flight denken wir: „Jetzt muss aber mal der nächste heiße Scheiß her!“ Dabei haben viele potenzielle Kund:innen die Botschaft noch gar nicht richtig wahrgenommen – geschweige denn abgespeichert.

Ich musste das selbst lernen. Viel zu oft habe ich mich für die nächste geniale neue Idee entschieden, statt auf Bewährtes zu setzen. Bei einer Kampagne für ein bekanntes Produkt war unser Key Visual nach ein paar Monaten intern gefühlt nicht mehr attraktiv. Doch ein Blick auf die Daten zeigte: Der Wiedererkennungswert war überdurchschnittlich gut.

Menschen beginnen, sich an Dinge zu erinnern, wenn sie sie mehrmals gesehen haben.
Nicht beim ersten Mal. Nicht beim zweiten.
Sondern genau dann, wenn wir intern schon nervös werden und über einen Relaunch nachdenken.

Ein Hoch auf die Wiederholung, die Wiederholung, die Wiederholung – den Wiedererkennungswert!
Vielleicht sollten wir uns öfter trauen, einfach nur klar und wiedererkennbar zu sein – statt ständig alles neu zu erfinden.
Marken wachsen nicht, weil sie aufregend sind. Sondern, weil sie da sind, wenn man sie braucht. Und weil man sie erkennt, wenn man sich entscheiden muss.