Neulich saß ich mit meinem Vater im Wohnzimmer. Er, „als Chef des Hauses“, die Fernbedienung in der Hand, zappte sich durch die Programme, auf der Suche nach dem richtigen Film oder einer spannenden Doku (wir lieben beide Dokus). Nach etwa zehn Minuten landete er bei einer Sendung über Eisenbahnen aus den 60ern. Nicht schlecht, aber halt auch nicht meine Dampflock.

Also griff ich automatisch zum Handy und öffnete eine Streaming-App. Als mein Vater das nach einiger Zeit bemerkte – und mit einiger Zeit meine ich weit über 15 Minuten, denn er war wirklich fasziniert von den alten Zügen – schaute er mich an und meinte trocken:

„Früher hat man sich einfach hingesetzt und geschaut. Heute klickt man sich die Finger wund, im kleinen Internet.“
(Das kleine Internet – so nennt er die mobile Version.)

Der Satz hat sich bei mir festgesetzt. Und genau dieser Gedanke kam mir wieder in den Sinn, als ich die neue Bewegtbildstudie 2025 der RTR Medien und der Arbeitsgemeinschaft Teletest gelesen habe.

Die TV-Welt ist im Wandel
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Das klassische lineare Fernsehen verliert kontinuierlich an Bedeutung.
Während 2016 noch über 80 % der Österreicher:innen täglich „normales Fernsehen“ sahen, sind es 2025 nur noch 59,3 %.
Bei den unter 30-Jährigen? Gerade mal 31,6 %, das ist weniger als jede:r Dritte.

Gleichzeitig boomen Streaming-Plattformen und On-Demand-Angebote. In der Generation 14–29 macht nichtlineares Bewegtbild schon fast die Hälfte der täglichen Nutzung aus. YouTube, Netflix, Disney+ & Co lassen grüßen.

Aber: Tot ist das Fernsehen noch lange nicht
Bei den über 50-Jährigen ist das lineare Fernsehen nach wie vor König.
Mit einer Tagesreichweite von 79 % und einem Marktanteil von über 80 % bleibt das klassische TV hier unangefochten die Nummer eins.
Für viele ist es mehr als nur Unterhaltung. Es ist Gewohnheit, Ritual, vielleicht sogar ein Stück Zuhause.

Zwischen Entscheidungslust und Entscheidungsmüdigkeit
Und wir anderen? Wir sitzen oft zwischen zwei Welten.
Wer kennt es nicht: 15 Minuten in Mediatheken oder Apps gesucht, nur um am Ende doch wieder bei der altbekannten Serie zu landen?
Vielleicht liegt genau darin die Stärke des linearen Fernsehens: einfach einschalten und sich überraschen lassen. Kein Algorithmus, kein „Was soll ich schauen?“ – sondern einfach schauen.

Und wie geht es jetzt meiner Meinung nach weiter?
Ich glaube nicht, dass das Fernsehen an Relevanz verliert.
Vielmehr erleben wir ein neues Nebeneinander von Alt und Neu. Die einen streamen, die anderen zappen, und viele machen beides.
Ich für meinen Teil hoffe, dass das lineare Fernsehen eine Renaissance erlebt. Nicht aus Nostalgie, sondern weil es mir etwas gibt, was der Streaming-Kosmos oft nicht schafft: das Gefühl von „Jetzt läuft was, und ich bin mittendrin.“

Ich bin übrigens ein Kind der 80er. Ich habe Fernsehen geliebt.
Und ich hatte das Glück, einen Teil meiner Karriere bei einem Sender namens MTV zu verbringen.
Wer’s noch kennt: Es war einfach ein innovatives, verrücktes Programm, das ganze Generationen geprägt hat.

Die vollständige Studie findest du übrigens hier:
auf der Website der RTR.