In meinem letzten Artikel habe ich mich mit dem alten, scheidenden König der Reichweiten beschäftigt: dem TV und warum ich glaube, dass dieses ein Revival erleben wird.
So ähnlich sehe ich das beim Thema Websites. Man liest immer öfter: SEO ist tot und Websites verlieren an Relevanz. Meiner Meinung nach ist genau das Gegenteil der Fall.
Wenn KI antwortet, bevor du klickst
Seitdem KI-Systeme wie ChatGPT, Perplexity oder Googles „AI Overviews“ immer öfter Teil der Suche sind, müssen wir nicht mehr zwangsläufig durch lange Linklisten klicken. Die Antwort kommt direkt. Zusammengefasst, kompakt und oft ziemlich gut. Warum also noch eine App öffnen oder auf eine Website gehen?
Diese neue Art der Informationssuche verändert unsere Erwartungen und unsere Gewohnheiten. Denn wer Antworten schon im Suchfeld bekommt, braucht seltener den Umweg über andere Plattformen.
Websites sind wieder Hauptdarsteller
Was viele überrascht: Während Apps früher das Maß aller Dinge waren („Dafür gibt’s doch eine App!“), rücken Websites durch die KI-Suche wieder in den Fokus. Warum? Ganz einfach: KI-Modelle greifen auf Inhalte im Web zurück. Sie analysieren, indexieren, fassen zusammen – und das geht am besten mit öffentlich zugänglichen Webseiten, nicht mit abgeschotteten App-Inhalten.
Plötzlich zählt wieder, wie sichtbar und gut strukturiert dein Webauftritt ist. Meta-Tags, saubere Inhalte, klare Themen – all das wird zum Futter für die KI. Wer digital sichtbar sein will, muss mehr bieten als eine App oder eine Website ohne klaren Inhalt.
Content war und ist King
Mehr denn je müssen wir uns fragen: Ist der Content auf meiner Website relevant? Bildet er die Informationen und Themen ab? Löst er die Fragen der Nutzer:innen?
Je umfassender und stringenter Werbetreibende ihre Services und Produkte auf ihrer Website erklären und das im Kontext zum jeweiligen Thema, desto besser werden sie in der KI-Suche eingebunden.
Aber wie funktioniert das?
Verarbeitung der Suchanfrage:
Die Suchanfrage wird mithilfe von Natural Language Processing (NLP) in kleinere Einheiten zerlegt, normalisiert und um wichtige Begriffe wie Personen- oder Firmennamen ergänzt, um den Kontext besser zu verstehen.
Erweiterung der Suchanfrage:
Große Sprachmodelle (LLMs) ergänzen die Anfrage automatisch um Synonyme und verwandte Begriffe, um präzisere und umfassendere Ergebnisse zu erzielen.
Index-Suche:
Die Suchmaschine durchsucht einen strukturierten Datenindex und findet passende Inhalte zur Suchanfrage.
Ranking:
KI-Algorithmen bewerten die Treffer nach Relevanz und sortieren sie entsprechend, basierend auf Kontext und Nutzerverhalten.
Darstellung der Ergebnisse:
Die Ergebnisse werden nutzerfreundlich und verständlich aufbereitet, oft ergänzt durch Empfehlungen oder Folgefragen.
Kontextbeibehaltung:
Die Suchmaschine merkt sich den Gesprächskontext, sodass Folgefragen sinnvoll eingebunden werden können.
Und die Apps?
Apps bleiben natürlich relevant – vor allem für Services, die auf Personalisierung oder spezifische Funktionen setzen. Aber als erste Anlaufstelle für Informationen verlieren sie an Bedeutung. Die KI-Suche findet nicht in deiner App statt. Sie passiert im Browser. In der Suchmaschine.
Das bedeutet: Unternehmen, die sich lange auf ihre App als zentralen Touchpoint verlassen haben, sollten umdenken. Sichtbarkeit im Web, Lesbarkeit durch KI – das wird (wieder) zur Priorität.
Was heißt das für uns im Marketing?
Ganz konkret:
SEO bleibt wichtig: vielleicht wichtiger denn je, aber in neuer Form.
Inhalte müssen nicht nur für Menschen, sondern auch für Maschinen verständlich sein.
Die Website wird wieder zum strategischen Zentrum der digitalen Präsenz.
Und: Eine starke App allein reicht nicht mehr.
Neue KPIs gewinnen an Bedeutung: Marken-Erwähnungen in KI-Antworten, Sichtbarkeit in AI-Snippets und Content-Qualität (z. B. nach EEAT-Kriterien) werden zu neuen Erfolgsfaktoren. Der reine Website-Traffic sagt in Zukunft immer weniger darüber aus, wie sichtbar du wirklich bist.
Zeit für einen Perspektivwechsel
Ich glaube, wir stehen gerade an einem Wendepunkt. Wer heute über Sichtbarkeit, Kundenkontakt und digitale Präsenz nachdenkt, kommt an KI-gestützter Suche nicht vorbei. Und wer sich fragt, wie die eigene Marke morgen gefunden wird, sollte nicht nur an App-Stores denken sondern an das gute alte Web.
Vielleicht ist es Zeit, den eigenen Onlineauftritt neu zu priorisieren, um sicherzustellen, dass man gefunden wird.
Die Rückkehr der Website? Warum die KI-Suche die Karten neu mischt und warum meiner Meinung nach viele diese Chance nicht sehen.
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